Das war es also, mein erster Bühnen-Vollsolo-Auftritt… und ich muss sagen, das hat schon seine Vorteile, die da wären:
1) Freiheit
Ja, man kann endlich alles selbst bestimmen, man ist frei, so frei wie ein freier Mustang in freier Wildbahn:
Man muss nicht mehr mit den Bandkollegen etliche Jägermeister-Shots vor dem Auftritt trinken, um sie auf die Bühne zu bewegen…
Pünktlich um neun Uhr kann man mit dem Set anfangen, weil man nicht auf die jedes Mal unpünktlichen Bandkollegen warten muss! Zitat eines Gasts, der sich zur zweiten Hälfte in den überfüllten Raum quetschte: “Alter, seit wann fangt ihr pünktlich an?! Ach du spielst alleine? Dann hätt’ ich mir das ja denken können!”
Der Soundcheck dauert keine zweieinhalb Stunden, weil Bandkollege A sein Instrument nicht hört, Bandkollege B zu leise singt und Bandkollege C sein Mikro nicht eingeschaltet hat, man dreht einfach die zwei Regler für Gitarre und Gesang bis zum Anschlag nach oben und drischt los!
2) Unberechenbarkeit
Man kann Leute endlich überraschen, man ist nicht mehr gezwungen irgendwelche Rollenklischees zu erfüllen und muss keine Angst haben seine Kollegen zu blamieren.
So hab ich die Leute zum Beispiel ziemlich überrascht, das Konzert hieß nämlich: “Max Kennel singt leise Liebeslieder”; durch diese gewitzte Täuschung lockte ich hunderte Menschen in die viel zu kleinen Räumlichkeiten, die den Teil mit dem “leise” als ironisch gemeint ansahen und den Teil mit den “Liebes” ernst nahmen. Und überraschte sie in der ersten Hälfte des Konzerts mit 5(!) leisen Liebesballaden, setzte dann aber vor der Pause noch einen lustigen Text hinterher, damit nicht alle schon in der Pause abhauten. Zitat eines solchen Gastes: “Das war zwar jetzt kein Punkrock, aber ich fand’s trotzdem geil!”
Und das System hat auch gut geklappt, Männer und Frauen mögen scheinbar Künstler, die nicht leicht zu durchschauen sind und blieben alle über die Pause da.
3) “Allein-Sein”
Allein sein ist ja meistens eigentlich blöd, alleine Bier trinken ist doof, allein tanzen ist doof, allein das Wochenende verbringen ist doof… Grundsätzlich ist allein sein nur bei folgenden Dingen gut: Onanie, Duschen, Intimrasur, Klogang, DSDS gucken (vor Anderen müsste man sich schämen), Sitophilie und ähnlichen säuischen Praktiken.
Und allein auf Bühnen stehen macht eben auch deshalb Spaß:
Man kriegt viel mehr Gage, weil man eben allein ist!
Man muss seinen Applaus nicht mehr mit anderen teilen, da Tontechniker nunmal nicht gelobt werden und man sonst allein ist!
Man kann an der Bar fünf Freibier holen mit den Worten “für die Band” und sie alle selbst trinken, weil man allein ist!
Man hat danach alle Groupies für sich, weil eben kein falsch zupfender Bassist und kein unregelmäßig klopfender Schlagzeuger von den Damen mit Mitleid überhäuft wird! Zitat von Katharina*: “Max jetzt kann ich endlich verstehen, dass Mädchen nach so einem Abend total auf dich abfahren!”
Ja, ihr seht, das Bühnen-Single-Leben hat schon eine Menge gravierender Vorteile, die ich auch hoffentlich noch öfter in Anspruch nehmen kann.
Aaaaaber, da der einzige Kuss, den ich an diesem Abend auf die Schläfe gedrückt bekam, nach Scotch Whisky schmeckte und mir von einem älteren Herren wohl eher ausversehen verpasst wurde, nachdem er mir die Worte “Das war soooo gut… Zum Zungeschnalzen” ins Ohr geflüstert hatte, werde ich zumindest beim nächsten Mal wieder meine Freunde von “Frauenparkplatz” wieder mit auf die Bühne nehmen.
Und dieses nächste Mal ist:
am Samstag, den 2.4.2011
irgendwann Abends
Dilldapper Saal / Dilldapper Bühne Ichenhausen
als Support für “The fabulous und the John Happyflash Brass Section Band”
Also kommet wieder in Massen, denn da gibts wieder laute Töne von uns zu hören!
*Name wurde von der Redaktion geändert

